Liability in Tech & Health: Komplexe Haftungsketten moderieren

Einleitung

In der heutigen Geschäftswelt, die von digitaler Transformation und technologischen Innovationen geprägt ist, stellen Haftungsfragen im Bereich Technologie und Gesundheit ein zentrales Anliegen für Geschäftsführer und Unternehmer dar. Die Verknüpfung von Technologien im Gesundheitswesen sowie die damit verbundenen rechtlichen Herausforderungen führen zu komplexen Haftungsketten. Unsicherheiten im Bereich der IT-Haftung und Cyber-Risiken können sich direkt auf die Closing-Bedingungen von Transaktionen auswirken. Dies birgt nicht nur finanzielle Risiken, sondern auch potenzielle Reputationsschäden, die häufig erst zeitverzögert offensichtlich werden.

Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht diese Problematik: Ein Unternehmen plant den Erwerb eines innovativen Start-ups im Healthcare-Sektor, dessen Technologie in zahlreichen Kliniken zum Einsatz kommt. Plötzlich wird eine Datenschutzverletzung bekannt, die zu hohen Bußgeldern und Schadensersatzforderungen führen könnte. Solche Entwicklungen werfen schwerwiegende Fragen zur Haftung auf und können dazu führen, dass Transaktionen scheitern. Für Geschäftsführer ist es daher unerlässlich, sowohl die rechtlichen Rahmenbedingungen als auch die technologischen Risiken zu verstehen und zu managen.

Dieser Artikel beleuchtet die vielschichtigen Aspekte der Tech-Haftung und zeigt auf, wie durch gezielte Risiko-Allokation eine erhöhte Transaktionssicherheit erreicht werden kann. Dies geschieht durch die Implementierung spezialisierter Haftungskonzepte und effektive Tech-Governance.

Haftung im Zeitalter der Digitalisierung

Die technologische Revolution hat nicht nur positive Entwicklungen hervorgebracht, sondern auch neue Haftungsfragen aufgeworfen. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat die Haftung von Unternehmen beim Umgang mit sensiblen Daten signifikant verstärkt. Gerichte, wie der Bundesgerichtshof (BGH), haben in zahlreichen Entscheidungen klargemacht, dass Unternehmen in vielen Fällen für Datenverlust oder -missbrauch verantwortlich sind. Dies betrifft insbesondere Firmen im Gesundheitswesen, wo personenbezogene und sensible Daten verarbeitet werden müssen.

Eine Studie des Bitkom aus dem Jahr 2021 zeigt, dass nahezu die Hälfte der deutschen Unternehmen in den letzten Jahren Opfer von Cyber-Angriffen wurde. Die finanziellen Schäden sind enorm und umfassen sowohl direkte als auch indirekte Kosten. Geschäftsführer stehen vor der Herausforderung, bei M&A-Transaktionen die Risiken, die durch den technologischen Fortschritt entstehen, sorgfältig zu bewerten. Das bedeutet, dass Haftungsketten genau analysiert und bei der Vertragsgestaltung gewissenhaft berücksichtigt werden müssen.

Die SRI-basierte Analyse liefert entscheidende Erkenntnisse zur Anwendbarkeit verschiedener Haftungskonzepte. Diese Methode ermöglicht es Unternehmen, potenzielle Haftungsrisiken zu identifizieren und entsprechend zu gewichten. Auf dieser Grundlage können klare Regelungen zur Risiko-Allokation definiert werden, die im Rahmen der Vertragsverhandlungen zu einem fairen Ausgleich der Interessen führen.

Das Spannungsfeld von Cyber-Risiko und D&O-Versicherung

Geräte, Softwareanwendungen und Netzwerke nehmen im Gesundheitssektor eine unverzichtbare Rolle ein. Gleichzeitig wächst das Cyber-Risiko exponentiell, was direkte Auswirkungen auf Geschäftsführer und ihre D&O-Versicherungen hat. D&O-Versicherungen schützen Führungskräfte gegen Ansprüche, die aus Fehlern oder Versäumnissen in ihrer geschäftlichen Tätigkeit resultieren. Dies schließt auch Entscheidungen im Kontext von IT-Sicherheit und Cyber-Angriffen ein.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass D&O-Versicherungen bei Cyber-Vorfällen häufig nicht in vollem Umfang greifen. Insbesondere schließen viele Versicherungen spezifische Risiken aus oder begrenzen ihren Schutz. Geschäftsführer sollten daher bei der Auswahl ihrer D&O-Policen darauf achten, dass Cyber-Risiken umfassend abgedeckt sind. Ein Risiko-Audit kann helfen, die Abdeckung zu optimieren und sicherzustellen, dass alle relevanten Risiken in den Versicherungsschutz einbezogen werden.

Das Vorgehen von Geschäftsführern in der M&A-Praxis wird dadurch erheblich beeinflusst. Bei der Analyse eines Zielunternehmens müssen nicht nur die finanziellen Daten und Betriebe, sondern auch die IT-Infrastruktur betrachtet werden. Das Fehlen eines adäquaten Cyberschutzes kann zur Ablehnung von Closing-Bedingungen führen, was die gesamte Transaktion gefährden kann.

Die Bedeutung von Tech-Governance für die Haftungsabsicherung

Eine gut strukturierte Tech-Governance spielt eine zentrale Rolle in der Haftungsabsicherung. Sie umfasst nicht nur die technischen, sondern auch die organisatorischen Rahmenbedingungen, die für eine verantwortungsvolle Datenverarbeitung erforderlich sind. Die Implementierung von Standards und Verfahren zur Datensicherheit ist für Unternehmen im digitalen Zeitalter unerlässlich. Eine klar definierte Governance-Struktur mindert nicht nur das Haftungsrisiko, sondern steigert auch die Effizienz und Transparenz interner Prozesse.

Unternehmen müssen sicherstellen, dass alle Mitarbeiter die erforderlichen Kenntnisse im Umgang mit sensiblen Daten besitzen. Schulungsprogramme und regelmäßige Audits sind zentrale Instrumente zur Steigerung der Datensicherheit. Darüber hinaus muss die Verantwortlichkeit für die IT-Sicherheit klar geregelt sein. Geschäftsführer müssen sich bewusst sein, dass unzureichende Governance und Kommunikationsstrukturen auch persönliche Haftungsrisiken hervorrufen können.

Ein gutes Beispiel für effektive Tech-Governance ist der Einsatz dynamischer Risk-Management-Systeme, die es Unternehmen ermöglichen, ihrer Verantwortung hinsichtlich Datenverarbeitung und Cybersicherheit gerecht zu werden. Durch kontinuierliche Überprüfung und Anpassung von Sicherheitsmaßnahmen können Unternehmen nicht nur Haftungsrisiken minimieren, sondern auch ihre Handlungsfähigkeit in Krisensituationen stärken.

Risiko-Allokation im Rahmen von M&A-Transaktionen

Die Risiko-Allokation in M&A-Transaktionen ist ein entscheidendes Element, um Schnittstellenabsicherungen zwischen Käufern und Verkäufern zu gewährleisten. Fehlbewertungen oder unzureichende Informationen zur Haftung können Kaufverhandlungen erheblich gefährden. Insbesondere im Gesundheitssektor, in dem sowohl rechtliche als auch ethische Aspekte von Bedeutung sind, ist eine transparente Kommunikation zwischen den Parteien unerlässlich.

Verkäufer versuchen oft, Haftungsrisiken auf die Käufer zu übertragen, während Käufer darauf bestehen, dass bestehende oder potenzielle Risiken offengelegt werden. Eine ausgewogene Risiko-Allokation gewährleistet, dass alle Parteien eine faire Handlungsbasis erhalten. Hier kommt die SRI-basierte Analyse ins Spiel: Sie erlaubt eine präzise Einschätzung der jeweiligen Risikoexposition und führt zu einer intelligenten Vertragsgestaltung, die sowohl den Interessen des Käufers als auch des Verkäufers Rechnung trägt.

Der Vertragsprozess sollte zudem spezielle Klauseln zur Haftungsbeschränkung und Entschädigung enthalten. Diese sollten klar definieren, unter welchen Bedingungen Haftungen entstehen und in welchem Umfang Ansprüche geltend gemacht werden können. Ein sorgfältiges Vertragsmanagement, das regelmäßige Reviews und Anpassungen an veränderte Rahmenbedingungen beinhaltet, ist für Unternehmen unerlässlich.

Ein starkes Beispiel ist die Implementierung von Haftungsdeckung oder Warranty and Indemnity (W&I)-Versicherungen, die in M&A-Transaktionen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Diese Versicherungen bieten zusätzliche Sicherheit für Käufer und Verkäufer und können dazu beitragen, Unsicherheiten im Hinblick auf Haftungen zu minimieren.

Praxisbeispiel einer M&A-Transaktion

Im Jahr 2022 plante ein großes Gesundheitsunternehmen die Übernahme eines auf digitale Gesundheitslösungen spezialisierten Start-ups. Während der Due-Diligence-Prüfungen wurden mehrere Sicherheitslücken in der IT-Infrastruktur des Zielunternehmens identifiziert, die zu potenziellen Datenlecks führen könnten. Dies würde zu Haftungen führen, die auf das Käuferunternehmen übergreifen könnten.

Um die Closing-Conditions nicht zu gefährden, initiierte das Käuferunternehmen ein umfassendes Risiko-Audit zur Beurteilung der Sicherheitsmaßnahmen des Start-ups. Die Analyse ergab, dass entscheidende Maßnahmen zur Cyber-Sicherheit nicht implementiert waren. Basierend auf diesen Informationen war das Käuferunternehmen in der Lage, die Haftung im Vertrag neu zu verhandeln und spezifische Entschädigungsmechanismen einzuführen.

Dank dieser Maßnahmen konnte das Käuferunternehmen sicherstellen, dass es nicht vollständig für Haftungsrisiken einstehen musste, die durch die Mängel des Zielunternehmens entstanden sind. In den Verhandlungen wurde zudem eine W&I-Versicherung abgeschlossen, die zusätzlichen Schutz bot. Die Übernahme konnte schließlich erfolgreich abgeschlossen werden, was ohne sorgfältige Planung und Risiko-Allokation möglicherweise nicht möglich gewesen wäre.

Die Strategie der Risiko-Allokation

Eine strategische Planung ist von größter Bedeutung, um Risiken zu minimieren und Transaktionssicherheit zu gewährleisten. Ein strukturierter Ansatz zur Risiko-Allokation integriert rechtliche, organisatorische und technologische Aspekte. Das bedeutet, dass Unternehmen sich zunächst einen Überblick über ihre eigenen Risiken sowie über die ihrer potenziellen Geschäftspartner verschaffen müssen.

Die Festlegung klarer Governance-Richtlinien und Zertifizierungen kann helfen, potenzielle Risiken zu minimieren. Dabei sollten Unternehmen relevante Institutionen und Sicherheitsstandards berücksichtigen. Audits sowie regelmäßige Überprüfungen sind unerlässlich, um Schwächen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Unternehmen sollten auch gezielte Schulungen zur Sensibilisierung ihrer Mitarbeiter durchführen.

Eine strukturierte Planung erhöht zudem den Handlungsspielraum in Verhandlungen. Die Absicherung der Partner-Haftung durch geplante Risiko-Allokation ermöglicht es, Closing-Bedingungen klar und für beide Parteien fair zu definieren, was den Transaktionsabschluss beschleunigen kann.

Ausblick auf künftige Entwicklungen

Die Dynamik in der Technologie- und Gesundheitsbranche wird auch in Zukunft komplexe Haftungsfragen mit sich bringen. Die regulatorischen Rahmenbedingungen entwickeln sich schnell weiter, und neue Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Blockchain bringen sowohl Chancen als auch Risiken mit sich. Geschäftsführer und Unternehmer sollten daher proaktiv handeln, um potenzielle Haftungsrisiken frühzeitig zu identifizieren und adäquat zu steuern.

Gerichte werden weiterhin klärende Urteile in Bezug auf Haftungen im Digitalbereich fällen, die den rechtlichen Rahmen beeinflussen. Unternehmen sind gut beraten, mit adaptiven und flexiblen Strategien auf diese Entwicklungen zu reagieren. Die kontinuierliche Schulung der Mitarbeiter in Bezug auf rechtliche Veränderungen und technologische Neuerungen ist ebenfalls entscheidend.

Die Bedeutung einer starken Tech-Governance und klarer Risiko-Allokation wird in den kommenden Jahren noch zunehmen. Um langfristigen Erfolg zu sichern, sollten Unternehmen regelmäßig ihre Strategien überdenken und anpassen.

Sich den Herausforderungen der digitalisierten Welt aktiv zu stellen, ermöglicht nicht nur, Haftungsrisiken zu minimieren, sondern eröffnet auch Chancen für neue Geschäftsmodelle. Wenn Unternehmen konsistente Strukturen zur Risiko-Allokation und Governance implementieren, schaffen sie nicht nur Sicherheit für Closing-Conditions, sondern auch eine vertrauensvolle Basis für zukünftige Geschäftspartnerschaften.

Wenn Sie Ihre aktuelle Situation in Bezug auf Haftungsrisiken und Transaktionssicherheit überprüfen möchten, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Zögern Sie nicht, frühzeitig potenzielle Schwächen zu identifizieren und anzugehen, um in der dynamischen Geschäftswelt von morgen erfolgreich zu navigieren.

Dieser Beitrag wurde sorgfältig recherchiert und dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er stellt weder eine Rechtsberatung noch eine Steuerberatung dar. Themen wie Recht, Steuern und Haftung werden hier lediglich aus Sicht des Risikomanagements und betriebswirtschaftlicher Überlegungen eingeordnet. Für eine rechtliche oder steuerliche Bewertung Ihrer individuellen Situation wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt bzw. an eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater.

Ich unterstütze Sie gern bei der Risikoanalyse und der Entwicklung passender Versicherungskonzepte sowie bei der Auswahl geeigneter fachlicher Ansprechpartner.

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